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China‑ASEAN‑Beziehungen:AuswirkungenaufdieBeziehungenderEUzuSüdostasien

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Date
Author
Dr. Mingjiang Li
Publisher
Global Neighbours

Einleitung

Unter politischen Entscheidungsträgern und Forschungsanalysten, die sich mit Geopolitik im asiatisch-indopazifischen Raum befassen, ist die Auffassung weit verbreitet, dass China seinen Einfluss in den vergangenen Jahren deutlich auf Kosten der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten ausgeweitet hat. Viele Beobachter stellen fest, dass das Wachstum von Pekings geopolitischem Gewicht besonders in Südostasien sichtbar geworden ist. Die Region ist inzwischen zu einem zentralen Schauplatz geopolitischer Rivalität zwischen Großmächten geworden, darunter China, die USA, Japan, Australien, Indien und europäische Staaten.

Diese Studie geht einer zentralen Frage nach: Wie hat China in den vergangenen Jahrzehnten mit den ASEAN-Staaten interagiert? Aufbauend auf dieser Leitfrage werden zudem die Auswirkungen der Beziehungen zwischen China und ASEAN auf die Beziehungen europäischer Staaten zu Südostasien untersucht. Diese Fragen sind aus mehreren Gründen von Bedeutung. Erstens besteht unter Analysten regionaler Entwicklungen in Asien weitgehend Einigkeit darüber, dass Chinas Einfluss in Südostasien in den vergangenen zwanzig Jahren erheblich zugenommen hat. Die seit 2019 jährlich vom ISEAS-Yusof Ishak Institute in Singapur durchgeführten Umfragen „State of Southeast Asia“ zeigen, dass China sich in der Region als einflussreichste Macht in strategischen, politischen und wirtschaftlichen Bereichen etabliert hat. Der Asia Power Index 2023 des Lowy Institute belegt ebenfalls, dass Chinas Einfluss in Südostasien den der USA in den Bereichen wirtschaftliche Zusammenarbeit, Verteidigungsnetzwerke, diplomatische Beziehungen und kulturelle Ausstrahlung übertroffen hat.

Diese Befunde werfen eine naheliegende analytische Frage auf: Wie konnte China ein derart hohes Maß an strategischem Einfluss in der Region aufbauen? Welche strategischen, taktischen und politischen Ansätze hat Peking verfolgt? Wie reagieren die einzelnen Staaten der Region auf chinesische Initiativen? Und in welcher Weise prägen die innenpolitischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dieser Länder ihre jeweiligen Reaktionen?