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ALPBACH, ÖSTERREICH — Global Neighbours, ein Advanced Partner des European Forum Alpbach 2026, veranstaltete am 3. September in Alpbach die Wanderung „Converging Crises, Shared Responses: Can Europe and Asia Find Common Ground?“. Der knapp dreistündige Dialog im Gehen brachte Perspektiven aus Europa, Asien, Afrika und Zentralasien zusammen, um zu erörtern, wie konkrete Zusammenarbeit angesichts geopolitischer Spannungen, klimatischer Risiken, technologischen Wettbewerbs und wirtschaftlicher Fragmentierung Bestand haben kann.

Dialog in Bewegung
Herr Siddharth Chatterjee, Chief Executive Officer von Global Neighbours, moderierte die Diskussion. Zu den Referierenden gehörten Frau Jovanka Porsche, Gründerin und Vorsitzende von Global Neighbours; Dr. Philipp Rösler, Chief Executive Officer der Consessor AG, Generalsekretär von Global Neighbours und ehemaliger Vizekanzler Deutschlands; S. E. Herr Vladimir Norov, Vorsitzender der Central Asian Association for AI und ehemaliger Außenminister Usbekistans; sowie Herr Gyude Moore, Distinguished Fellow beim The Energy Growth Hub und ehemaliger Minister für öffentliche Arbeiten Liberias.


Die Gruppe startete in der Nähe des Böglerhofs und folgte dem Böglerwiese-Weg. In regelmäßigen Abständen wurden Pausen für moderierte Gesprächsrunden eingelegt, bevor die Wanderung fortgesetzt wurde. Studierende, junge Berufstätige sowie Teilnehmende mit unterschiedlichen nationalen und beruflichen Hintergründen schlossen sich im Laufe der Wanderung an. Das Format des Dialogs im Gehen war ein zentraler Bestandteil der Begegnung. Das gemeinsame Unterwegssein in der Natur verringerte die Trennung zwischen Referierenden und Publikum und ermöglichte es, die Gespräche zwischen den geplanten Stationen informell fortzuführen. Vor der Kulisse der umliegenden Berge konnten die Teilnehmenden Ideen erproben, respektvoll unterschiedlicher Meinung sein und immer wieder zu der zentralen Frage der Veranstaltung zurückkehren: Wo kann Zusammenarbeit noch beginnen?

Jovanka Porsche: Anspruchsvolle Ideen in die Tat umsetzen

Frau Porsche berichtete über die Entstehungsgeschichte von Global Neighbours und erklärte, dass die Organisation nicht nur als Plattform für Dialog geschaffen wurde, sondern als „Think-and-Do-Tank“, der Ideen in konkrete Initiativen überführt. Sie ermutigte die Teilnehmenden, Skepsis nicht zu einem Grund für Untätigkeit werden zu lassen: Bedeutungsvolle Ideen könnten nur dadurch auf ihre Tragfähigkeit geprüft werden, dass man versucht, sie umzusetzen, und Rückschläge böten häufig wertvolle Erkenntnisse. Mit Überzeugung und Beharrlichkeit, so fügte sie hinzu, könne selbst eine ambitionierte Vision Menschen gewinnen, die bereit seien, ihr Fachwissen, ihre Unterstützung und ihre Ressourcen einzubringen – und so letztlich zu gemeinsamem Handeln führen.
Als praktisches Beispiel verwies sie auf die Initiative Tracks to the Future von Global Neighbours. Als die Idee einer Dialogreise mit der Bahn von Europa über Zentralasien nach China erstmals diskutiert wurde, ließen Fragen zu unterschiedlichen Spurweiten, Grenzverfahren und der operativen Komplexität viele daran zweifeln, dass eine solche Reise realisierbar sei. Durch die kontinuierliche Arbeit an diesen Herausforderungen gelang es Global Neighbours, die Initiative von einem ambitionierten Vorschlag in Richtung Umsetzung zu führen.
Mit Blick auf den Wert eines offenen Austauschs forderte Porsche die Teilnehmenden auf, sich nicht zurückzuziehen, wenn sie auf eine Meinung stoßen, die ihnen nicht gefällt. Fortschritt erfordere, im Gespräch zu bleiben, die eigene Position darzulegen und sich auch bei Meinungsverschiedenheiten direkt miteinander auseinanderzusetzen.
Gyude Moore: Afrika als Plattform für Zusammenarbeit

Nachkriegszeit an, um zu veranschaulichen, wie europäische und asiatische Stärken zusammenwirken können. Die Europäische Union stellte die Finanzierung für wichtige Infrastruktur bereit und schrieb das Projekt wettbewerblich aus. Ein chinesisches Unternehmen erhielt aufgrund seines Preisangebots den Zuschlag, wodurch Liberia mit den verfügbaren Mitteln mehr Infrastruktur realisieren konnte, während ein europäischer Ingenieur mit der Bauaufsicht dazu beitrug, die Einhaltung der Qualitätsstandards sicherzustellen. Für Herrn Moore zeigte diese Erfahrung, wie europäische Finanzierung und Standards die Geschwindigkeit und Kosteneffizienz asiatischer Umsetzung ergänzen können.
Anschließend ging er auf den zunehmenden Wettbewerb um kritische Mineralien, Lieferketten für erneuerbare Energien und die digitale Wirtschaft ein. Afrikanische Regierungen, so erklärte er, wollten Ressourcen zunehmend vor Ort verarbeiten und einen größeren Teil der Wertschöpfung im Land behalten, anstatt weiterhin unverarbeitete Rohstoffe zu exportieren. Chinesische Unternehmen hätten häufig eine größere Bereitschaft gezeigt, Produktionskapazitäten in Afrika aufzubauen, während Europa wichtige Stärken bei Umweltstandards, Ingenieurwesen und Aufsicht einbringe. Eine Verbindung dieser Fähigkeiten könnte zu nachhaltigeren Partnerschaften führen.
Herr Moore betonte, dass afrikanische Länder nicht als Schauplätze behandelt werden wollten, auf denen größere Mächte um Einfluss konkurrieren. Sie strebten die Freiheit an, entsprechend ihren eigenen Entwicklungsprioritäten mit Europa, China, den Vereinigten Staaten, den Golfstaaten und anderen Partnern zusammenzuarbeiten. Ein wohlhabendes Afrika, so merkte er an, liege unmittelbar im Interesse Europas. Damit werde Zusammenarbeit in den Bereichen Infrastruktur, Energie, Klimaresilienz und lokale industrielle Kapazitäten zu einer praktischen und nicht zu einer ideologischen Entscheidung.
S. E. Vladimir Norov: Zentralasiens Praxis von Dialog und Diversifizierung

Herr Norov ordnete die heutige Rolle Zentralasiens in seine längere Geschichte als Kreuzungspunkt von Handel, Wissen und Kultur entlang der Seidenstraße ein. Er verwies auf die Beiträge der Region zu Wissenschaft und Bildung sowie auf ihre heutige Bedeutung durch Energieressourcen, kritische Mineralien und ihre Überlandverbindungen. Nach Jahrzehnten, in denen viele Außenbeziehungen über Moskau kanalisiert wurden, haben die zentralasiatischen Staaten seit ihrer Unabhängigkeit ihre wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen diversifiziert.
Er hob die Fortschritte der Region bei der Lösung von Fragen zu Grenzen, Wasser und Energie durch Dialog und einen von ihm als vernünftig bezeichneten Kompromiss hervor. Regelmäßige Konsultationen zwischen den fünf zentralasiatischen Staaten hätten dazu beigetragen, die regionale Zusammenarbeit zu stärken, ohne eine supranationale Struktur zu schaffen. Herr Norov verglich diesen pragmatischen Ansatz eher mit ASEAN als mit der Europäischen Union: Jedes Land behalte seine eigene Position bei und arbeite zugleich gemeinsam an Problemen von gemeinsamem Interesse.
Herr Norov erläuterte außerdem, warum die Governance im Bereich der künstlichen Intelligenz zu einer diplomatischen Priorität geworden sei. Die technologische Entwicklung schreite schneller voran als internationale Institutionen und das Recht, während der Wettbewerb zwischen Großmächten kleinere Länder unter Druck setzen könne, sich für einen technologischen Block zu entscheiden. Der Multi-Vektor-Ansatz Zentralasiens ziele stattdessen auf Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten, China, Europa, Japan, Südkorea und anderen Partnern. Gemeinsame Governance-Rahmenwerke, Datensouveränität und eine verantwortungsvolle Entwicklung der Energie- und Recheninfrastruktur würden daher für die nächste Entwicklungsphase der Region von zentraler Bedeutung sein.
Dr. Philipp Rösler: Fairer Wettbewerb und aktives Engagement

Dr. Rösler argumentierte, dass Wirtschaft, Lieferketten und Gesellschaft weltweit weiterhin eng miteinander verflochten seien, auch wenn sich die Politik zunehmend in Richtung von Blöcken und Abgrenzung bewege. Europa sollte aktiv reagieren, indem es sein Engagement mit China, Indien, Zentralasien, Afrika und ASEAN vertiefe, anstatt darauf zu warten, dass frühere Bündnisse und Ausrichtungen zurückkehrten. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Interdependenz mache die Zusammenarbeit zwischen Europa und Asien zu einer Notwendigkeit und nicht zu einer optionalen diplomatischen Übung.
Er unterschied zwischen fairem Wettbewerb und einer Sprache, die jedes Gegenüber zum Feind erklärt. Offene Märkte und Freihandel beinhalteten weiterhin Wettbewerb, sollten jedoch auf gemeinsamen und durchsetzbaren Regeln beruhen. Wo Wettbewerb unfair sei, plädierte Rösler dafür, Institutionen zu stärken und auf die Einhaltung der Regeln zu drängen, anstatt das Engagement aufzugeben oder zu versuchen, Märkte vollständig abzuschotten. Eine zunehmende globale Fragmentierung, warnte er, würde letztlich den Wohlstand weit über Europa hinaus verringern.
Rösler betonte zudem die Art und Weise, wie Beziehungen aufgebaut werden. Wirksames Engagement beginne mit Neugier und der Bereitschaft zuzuhören und zu lernen – nicht mit der Annahme, dass eine Seite gekommen sei, um die andere zu belehren. Er stellte fest, dass international tätige Unternehmen die praktischen Kosten politischer Fragmentierung häufig besonders gut erkennen, da ihre Geschäftstätigkeit bereits auf grenzüberschreitender Zusammenarbeit beruhe.
Teilnehmende setzen den Dialog fort

Die aus unterschiedlichen Ländern, Generationen und beruflichen Bereichen stammenden Teilnehmenden brachten eine bemerkenswerte Vielfalt an Fragen auf den Weg: die Zukunft der Zusammenarbeit zwischen Europa und Asien sowie der Beziehungen zwischen Europa und China; Klimawandel und Investitionen in erneuerbare Energien; kritische Rohstoffe und Afrikas entwicklungspolitische Entscheidungen; Risiken und Governance im Bereich der künstlichen Intelligenz; Rückversicherung; sowie die Rolle multinationaler Unternehmen. Mehrere Teilnehmende stellten die Frage, wie Zusammenarbeit glaubwürdig bleiben könne, wenn strategischer Wettbewerb Realität sei und politische Systeme nicht dieselben Regeln oder Prioritäten teilten.
Die Gruppe fragte außerdem, wie Global Neighbours Beziehungen zu Regierungsvertretern aufbaut, insbesondere in China, ob große Unternehmen zu konstruktiven Partnern in den Beziehungen zwischen Europa und Asien werden können und welche sinnvollen Handlungsmöglichkeiten Einzelpersonen haben. Die Bandbreite und Offenheit der Fragen ermöglichte es, dass die Perspektiven der Referierenden aus Europa, Afrika und Zentralasien miteinander in Dialog traten, anstatt lediglich nebeneinanderzustehen. Der konstruktive Austausch, die geäußerte Wertschätzung für die Plattform und die kontinuierliche Beteiligung während der gesamten Wanderung zeugten von großem Interesse an Global Neighbours und an einer Fortsetzung des Dialogs.
Plattformen für den Dialog offenhalten

Herr Chatterjee schloss die Veranstaltung ab, indem er die unterschiedlichen regionalen Perspektiven wieder auf die Zukunft der Beziehungen zwischen Europa und Asien sowie zwischen Europa und China bezog. Der Nachmittag hatte sich von Handel, Infrastruktur und strategischem Wettbewerb hin zu Klima, kritischen Mineralien, künstlicher Intelligenz, unternehmerischer Verantwortung und der Rolle des Einzelnen bewegt. Diese Vielfalt an Fragen – und die Offenheit, mit der die Teilnehmenden die Ideen der Referierenden hinterfragten – machte die Wanderung zu einer echten Diskussion und nicht zu einem konventionellen Podiumsgespräch. Sie endete mit der gemeinsamen Erkenntnis, dass Zusammenarbeit keine Einheitlichkeit voraussetzt: Sie braucht Räume, in denen Unterschiede gehört, gemeinsame praktische Interessen identifiziert und durch kontinuierlichen Kontakt Vertrauen aufgebaut werden kann.
