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Am Dienstag, den 6. Februar 2024, lud Global Neighbours zu einem lebhaften Austausch mit Prof. Gu Xuewu (Universität Bonn) und Prof. Eberhard Sandschneider (Berlin Global Advisors) in den China Club Berlin ein. Im Mittelpunkt standen die möglichen geopolitischen Auswirkungen der taiwanischen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2024.
Da 2024 ein globales Superwahljahr ist, in dem mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung an die Urnen gehen, zählt die Wahl in Taiwan zu den potenziell folgenreichsten – und sie hat bereits stattgefunden.
Prof. Gu bot eine differenzierte Einordnung der Wahlergebnisse und betonte die komplexe Dreiecksbeziehung zwischen Taiwan, China und den USA. Er plädierte für eine nuancierte Betrachtung und beschrieb das Verhältnis als ein Gefüge, das von gemeinsamen Gewissheiten und gegenseitigem Misstrauen geprägt ist. Aus seiner Sicht teilen alle drei Akteure die Überzeugung, dass eine formelle Unabhängigkeit Taiwans unweigerlich zu einem Krieg führen würde. Gleichzeitig misstrauen sie einander zutiefst und unterstellen sich gegenseitig taktisches Kalkül. Zudem bestehe ein gemeinsames Verständnis, dass Abschreckung allein nicht ausreiche, und eine gemeinsame Taktik, Konflikte möglichst hinauszuzögern. Gerade diese Kombination verhindere, dass der Taiwan-Konflikt in eine militärische Eskalation münde. Gu argumentierte, dass Peking, Washington und Taipeh sich langsam, aber spürbar, von einer einseitigen Fixierung auf militärische Abschreckung hin zu diplomatischen Absicherungen bewegen – was einen Krieg in der Taiwanstraße weniger wahrscheinlich mache.
Prof. Sandschneider hob die oft unterschätzte Tiefe der Beziehungen zwischen Taiwan und China hervor. Er verwies nicht nur auf die enge wirtschaftliche Verflechtung, etwa durch erhebliche taiwanische Investitionen in Chinas Immobiliensektor, sondern auch auf die sozialen Verbindungen zwischen beiden Gesellschaften. Zudem ging er auf die Charakterisierung des Taiwan-Konflikts als „eingefrorenen Konflikt“ ein und betonte, dass es immer wieder Phasen des Auftauens gebe.
In der anschließenden Diskussion brachten die Teilnehmenden weitere wertvolle Perspektiven ein. Angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen wurde deutlich, wie wichtig ein tiefes Verständnis der komplexen Dynamiken zwischen China und Taiwan für alle ist, die sich mit Ostasien befassen.
Image: MasterSergeant - Adobe Stock