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Am 28. Mai begrüßte Global Neighbours Prof. Alex Capri, Autor des Bestsellers Techno‑Nationalism – How it’s Reshaping Trade, Geopolitics and Society und Senior Lecturer an der Business School der National University of Singapore (NUS), einer der führenden akademischen Institutionen Asiens. Die Veranstaltung war Teil des Global Neighbours Breakfast Club – einem wiederkehrenden, exklusiven Format, das Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Diplomatie, internationalen Organisationen, Think Tanks und Wissenschaft zu fokussierten Gesprächen über globale Entwicklungen zusammenbringt.

Während Europa sich auf mögliche neue Trump‑Zölle vorbereitet, steht es vor einer noch grundlegenderen Herausforderung: der realpolitischen Logik des technologischen Wettbewerbs im 21. Jahrhundert. Nationale Sicherheit und wirtschaftliche Stärke hängen heute untrennbar von technologischer Leistungsfähigkeit und Kontrolle über Schlüsseltechnologien ab. Die zunehmende Rivalität zwischen den USA und China zwingt Europa dazu, in sogenannten „Power‑Multiplier‑Domains“ wettbewerbsfähig zu werden, darunter künstliche Intelligenz, Luft‑ und Raumfahrt, Halbleiter, Quantenwissenschaften und Energie.
Capri eröffnete die Sitzung mit persönlichen Einblicken aus seinen frühen Jahren im asiatischen Technologiesektor. Mit Blick auf drei Jahrzehnte Globalisierung beschrieb er den Übergang von einer offenen, liberalen Wirtschaftsordnung hin zu einer Phase der Hyperfragmentierung. Die Weltwirtschaft bleibe zwar in vielen Bereichen vernetzt, spalte sich jedoch zunehmend entlang strategischer und politischer Linien.
Capri definiert Techno‑Nationalismus als ein Modell, in dem technologische Fähigkeiten eng mit nationaler Sicherheit und gesellschaftlicher Stabilität verknüpft sind. Diese neue Prioritätensetzung führt zur Instrumentalisierung von Wertschöpfungsketten – von Waren über Datenströme bis hin zur Mobilität hochqualifizierter Fachkräfte. Sie treibt zudem eine strategische Entkopplung voran, insbesondere gegenüber China in Bereichen wie Halbleitern und KI, und hat eine Ära des „Innovation Mercantilism“ eingeläutet, geprägt von aggressiver Industriepolitik und öffentlich‑privaten Sicherheitsallianzen.
Regierungen entscheiden heute viel aktiver, welche Sektoren sie fördern, wie sie Talente managen und welche Partnerschaften sie eingehen. Das führt zu mehr minilateralen Kooperationen mit vertrauenswürdigen Partnern. In diesem paradoxen Umfeld handeln Staaten weiterhin miteinander, während sie sich gleichzeitig auf mögliche Konfrontationen, etwa im Cyberraum, vorbereiten.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war der wachsende Einfluss nichtstaatlicher Akteure, insbesondere großer Tech‑Konzerne und ihrer Führungspersonen, die zunehmend als strategische Ressourcen gelten. Für kleinere Staaten und auch für Europa bringt diese Entwicklung neue Herausforderungen mit sich.
Die Teilnehmenden diskutierten zudem die Folgen für die Wissenschaft, die Rolle multilateraler Institutionen und die Belastbarkeit von Allianzen wie der NATO. Capri betonte, dass die Wissenschaft traditionell von offener Zusammenarbeit lebt, nun aber stärker in geopolitische Konkurrenz hineingezogen wird. Der Trend zur Einschränkung ausländischer Talente sei bereits sichtbar; Universitäten bewegten sich von offenen Modellen hin zu stärker kontrollierten Kooperationsstrukturen.
Gleichzeitig eröffne diese neue Ära auch Chancen: Unternehmen, die Transparenz und Vertrauen in globalen Lieferketten stärken – insbesondere in Logistik und rückverfolgbaren Produkten – könnten zu einer Billionen‑Dollar‑Industrie werden.
Zum Abschluss herrschte breite Einigkeit darüber, dass trotz Unsicherheit und konkurrierender Interessen erhebliche wirtschaftliche Chancen bestehen – für jene, die sich an die neue Realität anpassen und in einer fragmentierten Welt widerstandsfähige Strukturen aufbauen.
Host: Global Neighbours GmbH/e.V.
Gast: Alex Capri, Autor & Lektor, National University of Singapore (NUS)
Datum & Ort: 28. Mai 2025 | Global Neighbours Office, Johannesgasse 15/3/12, 1010 Wien, Österreich