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Am 22. Januar 2026 begrüßte Global Neighbours eine Forschungs- und Studierendendelegation der Tsinghua‑Universität, angeführt von Dr. Shi Yan, Research Fellow am Center for International Security and Strategy. Als Gastexperte nahm Dr. Harvey Dzodin, Senior Fellow beim Center for China and Globalization, an den Gesprächen teil. Der Besuch fand im Rahmen eines Forschungsprojekts zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen China und Europa statt.
Die Zukunft der China–Europa‑Kooperation
Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Zukunft der Zusammenarbeit zwischen China und Europa vor dem Hintergrund tiefgreifender Veränderungen in der internationalen Ordnung. Dr. Shi Yan erinnerte daran, dass Präsident Xi Jinping bereits im Frühjahr 2014 bei seinem Besuch im EU‑Hauptquartier vier zentrale Partnerschaften zwischen China und der EU vorgeschlagen hatte: Partnerschaften für Frieden, Wachstum, Reform und Zivilisation. Diese strategische Vision, so wurde betont, sei unverändert gültig und habe unter den heutigen globalen Bedingungen sogar an Relevanz gewonnen.
Es wurde hervorgehoben, dass die geopolitischen Spannungen zwischen China und Europa derzeit geringer sind als jene zwischen China und den USA, was günstigere Rahmenbedingungen für wirtschaftliche und institutionelle Kooperation schafft. Chinas Bekenntnis zu einer multipolaren Weltordnung wurde bekräftigt, wobei Europa als einer der zentralen Pole betrachtet wird. Die Stärkung der Zusammenarbeit mit Europa im Rahmen multilateraler Formate wurde als strategische Priorität identifiziert.
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass pragmatische, ergebnisorientierte Kooperation in weniger politisierten Bereichen besonders wichtig ist. Dazu zählen der Austausch zwischen Menschen und Institutionen, akademische Zusammenarbeit, Umwelt- und Klimaschutz sowie neue Technologien wie Robotik, Automatisierung und die praktische Anwendung künstlicher Intelligenz.
Auch Konnektivität wurde als Schlüsselfeld benannt – sowohl im Hinblick auf Transportkorridore, insbesondere den Middle Corridor, als auch auf digitale Vernetzung. Darüber hinaus wurde trilaterale Zusammenarbeit zwischen Europa und China mit Regionen wie Afrika, Zentralasien oder ASEAN als vielversprechender Ansatz zur Reduzierung geopolitischer Spannungen und zur Förderung gemeinsamer Entwicklungsziele diskutiert.
Wien als natürliche Brückenstadt für Dialog und Kooperation
Die besondere Rolle Österreichs – und Wiens im Speziellen – wurde als idealer Standort für nachhaltigen Dialog und Kooperation hervorgehoben. Österreichs Neutralität, Wiens Funktion als Sitz zahlreicher internationaler Organisationen sowie seine lange diplomatische Tradition machen die Stadt zu einer natürlichen Brücke zwischen Regionen. Wiens weltweite kulturelle Bedeutung, insbesondere in Musik und Kunst, trägt zusätzlich zum Vertrauensaufbau und zur Förderung des zwischenmenschlichen Austauschs bei.
Gleichzeitig verfügt Österreich über eine starke Basis innovativer und technologisch führender Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Betriebe in Bereichen wie Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Bergregionen und High‑Tech‑Industrien. Dadurch bietet Wien eine ideale Plattform für praktische Zusammenarbeit zwischen Europa und China.
Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Global Neighbours und der Tsinghua‑Universität
Im Rahmen des Treffens wurden konkrete Möglichkeiten zur Vertiefung der Kooperation zwischen Global Neighbours und der Tsinghua‑Universität erörtert. Dazu gehören gemeinsame Initiativen wie ein Europa–China–Afrika‑Workshop, akademische Austauschprogramme und gemeinsame Veranstaltungen. Die chinesische Delegation lud Global Neighbours zu weiteren Gesprächen und Workshops nach Peking ein. Beide Seiten vereinbarten zudem, zukünftige Delegationen der Tsinghua‑Universität in Wien zu empfangen.
Der Besuch bot eine wertvolle Plattform, um Perspektiven zu verbinden, gegenseitiges Verständnis zu stärken und die Grundlage für pragmatische, zukunftsorientierte Initiativen in den Beziehungen zwischen Europa und China zu legen.